Tolle Knollen für Genießer - Kartoffeln, Grumbeere…

Jeder isst sie, jeder liebt sie: die Kartoffel! Sie ist einfach nicht wegzudenken von unserem Speisezettel. Sie zeigt sich in ihrer Vielfalt sowohl als Pell-, Salz- oder Folienkartoffel wie auch in Form von Pommes frites, Puffer oder Kartoffeltaschen.


Inhalt:
Die "Chronik" der Kartoffel
Die Kartoffelpflanze
Wie unterscheiden sich die Sorten voneinander
Rückläufiger Verzehr
Gesund essen mit Kartoffeln
Tipps für Einkauf und Zubereitung
Hinweise für die Lagerung
Solanin
Acrylamid
Rezeptideen und weitere Informationen


Die "Chronik" der Kartoffel

Die Heimat der Kartoffel liegt in Südamerika. Gräberfunde in den Anden belegen, dass dort bereits im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung der Kartoffelanbau eine wichtige Rolle gespielt hat. Seinen größten Aufschwung erlebte er in Südamerika unter der Regierung der Inkas im 13. Jahrhundert. Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus gelangte die Kartoffel nach Europa.
In Deutschland wurden die ersten Kartoffeln im 16. und 17. Jahrhundert angebaut, allerdings zuerst nur als Zierpflanze wegen Ihrer hübschen Blüten.
Erst im 18. Jahrhunderter erkannte man den Wert der Knolle als Nahrungsmittel. Um die immer wiederkehrenden Hungersnöte zu bekämpfen erließ Friedrich II von Preußen ein Dekret, das die Bauern zum Kartoffelanbau verpflichtete.

Eine Anekdote erzählt:
Der "alte Fritz" hat nicht nur in der Öffentlichkeit demonstrativ Kartoffeln verzehrt, sondern auch in der Umgebung von Berlin Kartoffelfelder anlegen lassen und zum Schein von seinen Grenadieren bewachen lassen. So wurden die Bauern neugierig und stahlen die wertvollen Knollen, um diese auf eigene Felder zu pflanzen ...

Allmählich verdrängten die Kartoffeln den Getreidebrei, der bis dahin als Hauptmahlzeit gegessen wurde.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte der Kartoffelanbau eine so große Bedeutung, dass Missernten europaweit zu Hungersnöten führten. Ursache dieser Missernten war der Ausbruch der Kraut- und Knollenfäule, die oft ganze Ernten vernichtete. Um 1850 waren Kartoffeln und Brot die Hauptnahrung der ärmeren Bevölkerung. Kartoffeln wurden teilweise zu jeder Mahlzeit verzehrt. ein typischer Speiseplan so beispielsweise so aus:
morgens: Bratkartoffeln mit Quark oder Dickmilch
mittags: Eintopf, Klöße
abends: Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Döppekoochen


Die Kartoffelpflanze
Die Kartoffel gehört zu den Nachtschattengewächsen. Botanisch gesehen ist sie keine Frucht, sondern eine stark entwickelte unterirdische Sproßverdickung. Sie dient der Reservestoffspeicherung und ist vegetatives Vermehrungsorgan.

Von der Kartoffelpflanze sind nur die Knollen genießbar. Die eigentlichen Früchte, die aus den weißen, rot- oder blauvioletten Blüten entstehen, sind grüne Beeren, die wegen ihres hohen Solaningehaltes ungenießbar, d.h. giftig, sind. Blüten und Beeren spielen jedoch für die Züchtung neuer Kartoffelsorten eine bedeutende Rolle.

Wie unterscheiden sich die Sorten voneinander

Hätten Sie gewusst, dass es zur Zeit in Deutschland etwa 120 zugelassene Speisekartoffelsorten gibt? Je nach Region spielen aber nur etwa 10 bis 15 Sorten am Markt eine Rolle. Die verschiedenen Kartoffelsorten unterscheiden sich insbesondere hinsichtlich Aussehen, Geschmack, Reifezeiten und Kocheigenschaften.

Kartoffeln werden in Deutschland von Ende Mai bis Mitte Oktober geerntet. Entsprechend den unterschiedlichen Reifezeiten werden sehr frühe - frühe - mittelfrühe - mittelspäte bis sehr späte Sorten vermarktet. Im Handel werden allerdings schon sehr viel früher Kartoffeln angeboten. Die neuen Kartoffeln "zum Spargel" ab April, oder sogar noch früher, stammen überwiegend aus Ägypten, Israel, Cypern oder Italien. Die traditionellen Anbaugebiete für Frühkartoffeln in Deutschland liegen in Baden, in der Pfalz, am Niederrhein und im Raum Hannover. Frühkartoffeln werden in Deutschland zum Teil unter Folie angebaut, um sie möglichst früh auf den Markt zu bringen und um konkurrenzfähig zu bleiben.
Der größte Teil unserer heimischen Speisekartoffeln wird im August / September eingebracht. Damit ist dann auch das Angebot bis zur nächsten Ernte gesichert. Nach der Kartoffelernte werden die Kartoffeln nach Sorten und Lagereigenschaften getrennt sortiert und gelagert. Viele Herbstsorten benötigen die Ruhe des Winterlagers, um ihren vollen Geschmack und beste Konsistenz zu entwickeln. Die Stärke und die Geschmacksstoffe dieser Sorten verbinden sich dann in einer Art und Weise, dass die Sorten ihren jeweils typischen Charakter entwickeln. Linda, Selma oder andere zählen zu den Kartoffelsorten, die über den Winter hinweg aus diesem Grund besonders beliebt sind. Gerade in den Monaten von November bis Februar/März ist die Auswahl an Kocheigenschaften und Sorten so groß, dass jeder Geschmack die richtige und jede Zubereitungsvariante die geeignete Sorte findet.

Sehr frühe Sorten
z.B.: Berber, Christa, Gloria, Berber
Frühe Sorten
z.B.: Cilena, Cinja, Sieglinde
Mittelfrühe Sorten
z.B.: Granola, Hansa, Linda, Nicola, Solara, Secura
Mittelspäte bis sehr späte Sorten
= späte Sorten
z.B.: Aula, Donella
  • werden bereits nach kurzer Vegetationszeit (ca. 90 Tage) ab Mitte / Ende Mai geerntet
  • brauchen nicht geschält zu werden; es reicht, sie unter fließendem Wasser zu bürsten.
  • sind häufig nicht schalenfest
  • eignen sich nicht zur Lagerung, verlieren schnell ihre guten Speiseeigenschaften infolge Alterung (Wasserabgabe, Welken) und rascher Keimung
  • werden von Anfang Juli bis Mitte August (bis 10.8.) geerntet
  • können bis zum Herbst gelagert werden
  • werden ab Ende August geerntet
  • sind aufgrund ihrer festen Schale für die Einkellerung geeignet; sollten dann aber nicht vor Mitte September geerntet werden
  • werden ab Mitte September bis Ende Oktober geerntet
  • haben eine Vegetationszeit von 140 – 160 Tage
  • sind sehr gut für die Einkellerung geeignet
  • haben jedoch gegenüber den mittelfrühen Sorten an Bedeutung verloren

Kartoffelsorten unterscheiden sich außerdem durch ihre Kocheigenschaften. Ob die Kartoffeln beim Kochen fest bleiben oder auseinanderfallen, hängt von ihrem Stärkegehalt ab. Jede Speisekartoffelsorte muss gemäß der Handelsklassenverordnung einer der drei Kocheigenschaften festkochend, vorwiegend festkochend oder mehligkochend zugeordnet sein. Abgepackte Ware ist farbig gekennzeichnet:
  • grün steht für festkochende Sorten (“Salatkartoffel”)
  • rot kennzeichnet die breite Palette der vorwiegend festkochenden Sorten
  • blau bezeichnet die mehligkochenden Vertreter.
Die Kocheigenschaft ist wichtig für das richtige Gelingen eines Rezeptes. Wenn man einen sämigen Kartoffelbrei bevorzugt, ist eine mehligkochende Sorte ideal, bei stückigen Rösties, wo die Raspeln nicht zerfallen, muss man eine festkochende Speisekartoffelsorte einsetzen. Die Palette der vorwiegend festkochenden Sorten umfasst eine Bandbreite von eher festkochend bis eher mehligkochend.Die Zuordnung in die Kocheigenschaften erfolgt durch das Bundessortenamt. Es werden damit Geschmack, Konsistenz und andere Eigenschaften bestimmt.
Festkochende Sorten erfreuen sich zur Zeit wachsender Beliebtheit, worauf sich die Erzeuger eingestellt haben.


Rückläufiger Verzehr

Seit Jahren ist der Kartoffelverbrauch rückläufig. 2004 wurden in Deutschland durchschnittlich 66,8 kg pro Person verbraucht, für 2005 wird der Verbrauch auf 66,5 kg pro Person geschätzt, das sind 182 g / Tag.
Vor allem der Verbrauch frischer Kartoffeln sank von ca. 100 kg Mitte der 60er Jahre auf heute rund 40 kg. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der industriellen Veredelungsprodukte wie Pommes frites, Kartoffelklöße, Kroketten, Püree, Chips usw. von etwa 7 kg auf rund 30 kg pro Person und Jahr gestiegen.

Nicht jede Kartoffel eignet sich für die industrielle Verarbeitung. Die Kartoffelzüchtung hat sich auf die Erfordernisse der Industrie eingestellt und kann heute praktisch für jeden Produktionszweig die richtige Sorte anbieten. Verarbeitungskartoffeln werden überwiegend im Vertragsanbau mit detaillierten Vereinbarungen über Anbau, Ernte, Anlieferung etc. erzeugt.

Die Bannbreite der Kartoffelveredelungsprodukte umfasst:
  • Nassprodukte, z.B. geschälte Kartofeln, hitzesterilisierte Rösti oder Bratkartoffeln, Kartoffelsalat etc.
  • Fritier- und Bratprodukte, z.B. Chips, Sticks, Puffer, Pommes frites etc.
  • Tiefgefrierprodukte, z.B. gekochte Kartoffeln, Klöße, Puffer, Rösti, Bratkartoffeln, PPommes frites, Kroketten etc.
  • Trockenprodukte, z.B. Püree, Flocken, Kartoffelsuppe, Röstmischung, Kloßmehl etc.

Die Verwendung von Veredelungserzeugnissen kann durchaus Vorteile für den Verbraucher haben. Ihre Zubereitung ist bequem, arbeitsintensive und mit Abfall verbundene Zubereitungsschritte entfallen. Die Produkte bieten eine große Vielfalt, sie besitzen gleichbleibende Qualität und sind quasi jederzeit verfügbar. Und sie können i.d.R. einfach auf Vorrat gehalten werden. Umgekehrt sind sie im Vergleich zur Kartoffel i.d.R. teurer und aufwändiger in Verpackung und z.T. in der Lagerung. Es muss mit Nährstoffveränderungen gerechnet werden, das können z.B. Vitamin- und Mineralstoffverluste infolge der Verarbeitung sein oder höhere Fettgehalte, z.B. bei Chips, Pommes frites u.ä. . Zusatzstoffe sind teilweise aus technologischen Gründen oder zum Ausgleich von Aromaverlusten notwendig.

Weitere Information: Welche Produkte werden aus Kartoffeln hergestellt? im Internet unter www.was-wir-essen.de (Zugriff 12/2005)


Gesund essen mit Kartoffeln

Die Wertschätzung der Kartoffel beim Verbraucher ist sehr unterschiedlich. Für viele Menschen ist sie nach wie vor ein wichtiges Grundnahrungsmittel, sie sättigt gut, ist kalorienarm, enthält hohe Gehalte an bestimmten Mineralstoffen und Vitaminen und ist außerdem vielseitig verwendbar. Zu recht gilt sie auch als "Schlank - und Fitmacher", Urteile wie "Dickmacher" sind falsch, solange keine fettreichen Zubereitungen gegessen werden. Die Kartoffel besteht zu ca. 80 % aus Wasser, enthält Fett nur in Spuren und wie alle Lebensmittel pflanzlicher Herkunft kein Cholesterin. Kartoffeln enthalten je nach Sorte rd. 15 - 18 % Stärke. Rohe Kartoffelstärke kann vom Menschen kaum ausgenutzt werden. Beim Kochen verkleistert die Stärke jedoch und wird dann praktisch vollständig verwertet. Der Eiweißanteil ist mit 2 % vergleichsweise niedrig, Kartoffeleiweiß hat jedoch eine hohe biologische Wertigkeit und ergänzt sich optimal vor allem mit Nahrungseiweißen tierischer Herkunft wie Milch oder Ei. Das kann man sich im Rahmen der Mahlzeiten sehr gut zu Nutze machen, z.B. die Kombinationen:
  • Kartoffel-Ei: Bauernomelett, Salzkartoffeln mit Rührei oder Spiegelei, Kartoffelauflauf mit Eiguss u.v.m.
  • Kartoffel-Milch: Püree, Aufläufe, Pellkartoffeln mit Quark u.v.m.

Den Beitrag der Kartoffel an der Versorgung mit Nährstoffen zeigt auch nachfolgende Übersicht:

Eine Portion Pellkartoffeln (250 g ) ...

enthält ...erreicht den Referenzwert für die tägliche Zufuhr bei
einer Frau (25 - 50 Jahre, mittlere körperliche Aktivität)
zu ...
Energie
175 kcal
7,3 %
Eiweiß
5 g
10,6 %
Fett
+
+
Kohlenhydrate
37 g
12,9 % 1)
Ballaststoffe
4,3 g
14,3 %
Kalium
1,1 g
55 %
Eisen
2 mg
13,3 %
Vitamin B1
0,25 mg
25 %
Vitamin C
35 mg
35 %
1) Bezugsgröße: Richtwert in Höhe von 50 % der täglichen Energiezufuhr

Quelle:
DGE u.a. (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Umschau / Braus Verlag, Frankfurt 2000
Prof. Dr. I. Elmadfa u.a.: Die große GU Nährwert-Kalorientabelle 2004/05, Gräfe und Unzer Verlag, München 2003

Weitere Information: Nährstoffvergleich Kartoffeln - Reis - Teigwaren


Tipps für Einkauf und Zubereitung
Der Verkauf von Speisekartoffeln unterliegt den Bestimmungen der Verordnung über gesetzliche Handelsklassen für Speisekartoffeln, ausgenommen ist lediglich der Verkauf ab Hof beim Erzeuger bei Selbstabholung.

Die Verordnung unterscheidet die Handelsklasse Extra und die Handelsklasse I. Sie definiert insbesondere die Güteeigenschaften für Speisekartoffeln sowie die Toleranzen bei Qualitätsabweichungen und macht Vorgaben für die Sortierung nach Größe, die Abgabe in Fertigpackungen und Kennzeichnung.

Auf der Verpackung müssen stehen:
Für Verbraucher sind die Kocheigenschaften der Speisekartoffeln von Bedeutung. Denn je nach Kochtyp ergeben sich unterschiedliche Eignungen für die Verwendung in der Küche:

Festkochende Sorten
z.B. Cilena, Sieglinde, Hansa, Linda, Nicola, Selma
Vorwiegend festkochende Sorten
z.B.: Cinja, Grandifolia, Granola, Secura
Mehligkochende Sorten
meist spät reifende Sorten, z.B.: Aula, Adretta
  • für Kartoffelsalat, Salz-, Pell-, Bratkartoffeln
denn sie
  • springen beim Kochen nicht auf
  • sind fest
  • haben eine glatte und feuchte Schnittfläche
  • für Salz-, Pell-, Bratkartoffeln
denn sie
  • springen beim Kochen nur wenig auf
  • sind mäßig feucht und feinkörnig
  • bleiben beim Kochen zwar fest, lassen sich aber leicht mit der Gabel zerdrücken
  • für Kartoffelpüree, Reibekuchen, Klöße, Suppen, Eintopfgerichte
denn sie
  • springen beim Kochen leicht auf,
  • kochen locker
  • sind trockener und grobkörniger


Je nach Verzehrsgewohnheiten in der Familie und den Lagermöglichkeiten kann es sinnvoll sein, zwei verschiedene Kartoffelsorten mit unterschiedlichen Kocheigenschaften zu bevorraten und dann entsprechend für die unterschiedlichen Kartoffelgerichte zu verwenden.

Bei der Vor- und Zubereitung von Kartoffeln entstehen Vitamin- und Mineralstoffverluste. Beispiele:

Vitamin C-Verluste beim Waschen und Wässern von Kartoffeln:

Dauer
unzerkleinert
In Stücke geschnitten
Kartoffeln,
5 Min.
-
-
geschält
15 Min.
-
8 %
60 Min
4 %
18 %
Durchschnittliche Mineralstoffverluste beim Garen von Kartoffeln:

Garverfahren
Mineralstoffe, gesamt
Kalium
Magnesium
Eisen
Kochen
28 %
17 %
10 %
8 %
Dämpfen
14 %
n.b.
n.b.
n.b.
Dünsten
n.b.
4 %
1 %
0 %
n.b. = nicht bekannt

Durch sachgerechtes Arbeiten in der Küche können die Nährstoffverluste gering gehalten werden:
  • Kartoffeln erst unmittelbar vor dem Garen schälen. "Termingerechte" Vorbereitung erübrigt langes Wässern von Kartoffeln und reduziert Auslaugverluste von Mineralstoffen und wasserlöslichen Vitaminen
  • Kartoffeln erst nach dem Waschen in kleinere Stücke schneiden
  • Kartoffeln dämpfen oder mit ca. 1 cm Wasserstand kochen, Auslaugverluste werden reduziert
  • Kartoffeln nicht lange warm halten, hitzeempfindliche Vitamine werden abgebaut und die Oberfläche kann leicht eine gummiartige Konsistenz annehmen - der Geschmack leidet


Hinweise zur Lagerung

Die Lagerung spielt in vielen Haushalten heute nur noch eine geringe Rolle. Geeignete Vorratsräume fehlen häufig und zudem sind Kartoffeln in guter Qualität das ganze Jahr über erhältlich. Handel und direktvermarktende Landwirte bieten oftmals ganzjährig Kartoffeln in Kleinpackungen an. Nachdem man Kartoffeln eingekauft hat, sollte man sie kühl (bei etwa 4 °C, Nicola und Solara bei etwa 6 °C) und dunkel lagern. Am besten eignet sich ein großer Korb, den man am Boden mit Zeitungspapier auslegt. Im Kühlschrank fühlen sich die Knollen nicht wohl.

Für Haushalte mit geeigneten Vorratsräumen kann es vorteilhaft sein, Kartoffeln selbst einzulagern. Die Kartoffeln werden häufig preiswerter im Herbst angeboten und es wird z.T. als angenehm empfunden, jederzeit einen Vorrat an Speisekartoffeln zu haben. Bei günstigen Lagerbedingungen ist die Einkellerung langfristig gesehen billiger als der Bezug kleiner Mengen.

Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Einkellerungskartoffeln schalenfest sind, dann sind sie ausgereift.

Einkellerungstipps:
  • Speisekartoffeln müssen gesund, unbeschädigt, nicht ergrünt, trocken und sauber sein
  • Verschiedene Sorten nicht vermischen
  • Kartoffeln nicht zusammen mit Äpfeln lagern
  • Kartoffeln nur bis 40 cm Höhe behutsam auf ein erhöhtes Lattenrost schütten (Luftzirkulation muß gewährleistet sein)
  • Das Abdecken der Knollen mit Papier oder Säcken schränkt Verdunstungsverluste ein und verhindert ein vorzeitiges Schrumpfen und Ergrünen
  • Bei Verwendung von Lattenkisten oder Horden sind Kartoffeln von oben zu entnehmen, da eine ständige Bewegung der Kartoffeln die Keimbildung fördert
  • Bei feucht-kühlem Wetter sollten die Lagerräume belüftet werden
  • Kartoffeln nicht in Folienverpackung lagern
  • Lichteinwirkung unbedingt vermeiden. Licht fördert die Grünfärbung der Knollen und führt zur Bildung von Solanin
  • Frosteinwirkung unbedingt vermeiden. Die Stärke wandelt sich während der Lagerung in Zucker um, der bei Frosteinwirkung nicht mehr verarbeitet werden kann, so daß die Knollen süßlich schmecken. Die günstigste Lagertemperatur liegt bei 4 -7 °C.
  • Bei zu warmer Lagerraumtemperatur nur geringe Mengen bevorraten
  • Bei Verwendung von zugelassenen keimhemmenden Mitteln unbedingt die Gebrauchsanweisung beachten, insbesondere die angegebenen Wartezeiten
  • Keimende Knollen nur für den Tagesbedarf entkeimen

Die Knolle ist ein noch lebender Organismus. Damit ist eigentlich schon klar, dass sie empfindlich ist und ihre Ansprüche stellt. Wenn man sich an diesen orientiert und die Kartoffeln entsprechend behandelt, danken sie es mit schöner gelber Farbe, einem guten Geruch und einem wunderbaren Geschmack.


Solanin

Solanin ist ein giftiges Alkaloid, dass in vielen Nachtschattengewächsen, so auch in der Kartoffel, vorkommt. Werden Kartoffeln längere Zeit dem Licht ausgesetzt, so steigt der Solaningehalt schnell an. Hohe Konzentrationen finden sich entsprechend in den Keimen und in ergrünten Stellen der Kartoffel, vor allem in der Schale. Vergiftungserscheinungen können ab Konzentrationen von etwa 40 mg Solanin je 100 g auftreten, mit Konzentrationen in dieser Höhe muss bei Grünfärbung der ganzen Knolle oder großer Flächen gerechnet werden. Die Symptome äußern sich ca. vier bis sechs Stunden nach Verzehr, es sind brennendes, kratzendes Gefühl im Hals, Kopfschmerzen, Mattigkeit und Fieber, Erbrechen, Durchfälle. In schweren Fällen ist es in der Vergangenheit zu Seh- und Hörstörungen, Benommenheit, Krämpfen bis hin zum Koma und Tod gekommen. Bei Erwachsenen sind keine tödlichen Fälle bekannt, Kinder sind jedoch infolge Solaninvergiftung gestorben. (Quelle: E. Lindner: Toxikologie der Nahrungsmittel, Thieme Verlag, Stuttgart 1990)

Die heutigen Speisekartoffeln enthalten in ihrer Frischsubstanz meist weniger als 10 mg Solanin je 100 g, so dass die Gefahr einer Vergiftung auszuschließen ist. Wichtig ist, dass Kartoffeln kühl, dunkel und trocken gelagert werden. Grüne Stellen sollten großzügig entfernt werden.

Weitere Information: Solanin in Kartoffeln, unter www.vis-ernaehrung.bayern.de (Zugriff 12/2005)

Acrylamid

Acrylamid entsteht bei starker Erhitzung von stärkehaltigen Lebensmitteln, insbesondere von Kartoffeln und Getreideerzeugnissen. Es wird bei Temperaturen über 100 °C durch chemische Reaktion aus Zucker- und Eiweißbausteinen bei Bräunungsprozessen wie Frittieren, Backen, Braten, Rösten und Grillen gebildet. Die höchsten Acrylamidwerte wurden bisher in hoch erhitzten Kartoffelprodukten wie Chips und anderen Knabberartikeln auf Kartoffelbasis gefunden. Pommes frites wiesen in Untersuchungen mittlere bis hohe Gehalte auf.

Internationale Gremien haben Acrylamid als wahrscheinlich Krebs erzeugend für den Menschen eingestuft.

Auch im Haushalt können je nach Zubereitungsart hohe Acrylamidmengen entstehen. Beim Kochen oder Dampfgaren bildet sich kein Acrylamid.

Praktische Tipps:
  • Vergolden statt verkohlen
Backen, braten oder frittieren Sie die Lebensmittel und Gerichte gold-braun
Achten Sie auf Temperaturobergrenzen bei der Zubereitung, z.B.:

Pommes frites (Friteuse): 175 °C

Pommes frites (Backofen): 180 °C (Umluft), 200 °C (Ober-/ Unterhitze)
  • Schneiden Sie „dicke“ Bratkartoffeln oder Pommes frites
  • Bereiten Sie Bratkartoffeln aus gekochten Kartoffeln zu
  • Beachten Sie die Herstellerhinweise bei der Zubereitung von Fertigprodukten und den Geräteanleitungen von Backofen, Grill und Friteuse
  • Lagern Sie Kartoffeln bei ca. 8°C und dunkel
  • Verarbeiten Sie keine keimenden Kartoffeln oder Kartoffeln mit grünen Stellen
  • Essen Sie selten Pommes frites, Kartoffelchips, Knäckebrot, Popcorn, Kekse und Kräcker. Es gibt viele leckere Alternativen:
  • Kartoffeln lassen sich vielfältig zubereiten. Greifen Sie deshalb auf schonende Garverfahren wie Dünsten und Kochen zurück
  • Bratlinge, Kroketten, Gratins entwickeln aufgrund des geringen Wassergehaltes nur geringe Acrylamidmengen
  • Probieren Sie Obststücke, Gemüsesticks, Studentenfutter u.ä. anstatt der typischen Knabberartikel Chips und Kräcker
  • Essen Sie abwechslungsreich und vielfältig. Essen Sie reichlich Gemüse, Obst und Vollkornbrot jeden Tag


Rezeptideen rund um die Kartoffeln


Weitere Informationen:
Kartoffeln, unter www.was-wir-essen.de (Zugriff 12/2005)
Auf in die Kartoffeln, unter www.cma.de (Zugriff 12/2005)


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Hannelore.Jacobi@dlr.rlp.de     www.Ernaehrungsberatung.rlp.de drucken