Gesundheitliche Risiken durch Dioxin und Co. ?

Der Skandal um Dioxine, die über verunreinigte Futtermittel in Lebensmittel geraten sind, hat für einige Wochen die Verbraucher verunsichert. Das Vertrauen in Eier und Fleisch deutscher Herkunft wurde dadurch schwer erschüttert.

Inzwischen sind von den zuständigen Behörden in den Bundesländern und verschiedenen Fachverbänden zahlreiche Chargen von Eiern, Fleisch und Milchprodukten auf Dioxine untersucht worden mit dem Ergebnis, dass nur in wenigen Ausnahmefällen die gesetzlich zulässigen Höchstmengen überschritten wurden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet die ermittelten Daten als nicht besorgniserregend. Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema „Dioxin in Lebensmitteln“ auf der Grünen Woche in Berlin gab BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel das Statement ab: „Selbst wenn in den letzten Monaten Eier oder Schweinefleisch mit Gehalten im Bereich der höchsten gemessenen Werte über einen längeren Zeitraum verzehrt wurden, ist eine Gefährdung der Gesundheit nicht zu erwarten.“


Was sind eigentlich Dioxine?

Dioxine sind chemische Verbindungen, die bei Verbrennungsprozessen entstehen. Es gibt 75 unterschiedliche Dioxinverbindungen, die sich in ihrer Struktur ähneln, aber unterschiedlich giftig sind. Hinzu kommen 135 Dibenzofurane, die umgangssprachlich auch als Dioxine bezeichnet werden.

Dioxine kommen zwar nur in minimalen Spuren in Lebensmitteln vor, das Bedenkliche an ihnen ist aber die Tatsache, dass sie sich in tierischen und menschlichen Organismen anreichern, vor allem im Fettgewebe, und chemisch sehr stabil und langlebig sind.
Durch den in früheren Jahrzehnten sorglosen Umgang mit industriellen Abfällen und Abgasen sowie den früher unbedarft angewandten Verfahren in alten Müllverbrennungsanlagen, sind Dioxine neben anderen Umweltgiften heute quasi allgegenwärtig. In der Nahrung nimmt der Mensch diese Umweltgifte vor allem über fetthaltige, tierische Lebensmittel auf.


Wie hoch sind die gesundheitlichen Risiken?

Im aktuellen Fall waren verunreinigte Futtermittel für die erhöhten Dioxingehalte in tierischen Lebensmitteln verantwortlich. Dioxine werden aber auch von freilaufenden Tieren wie Legehennen, Rindern und Schweinen über den Boden aufgenommen. Auch Wild und Fische sind belastet. Bei fetten Fischen wie Lachs, Makrele und Aal sind sogar die gesetzlich akzeptierten Höchstmengen wesentlich höher angesetzt als bei Fleisch und Eiern. Sehr hoch belastete Lebensmittel, wie z. B. Innereien oder Aal und andere Flussfische, tragen dennoch in der Regel nur geringfügig zur Belastung der Verbraucher mit Dioxinen bei, da sie normalerweise eher selten auf dem Speiseplan stehen.

Bei Dioxinen und ähnlichen Umweltgiften ist nicht die akut zugeführte Dosis für gesundheitliche Auswirkungen ausschlaggebend, sondern die Menge, die sich im Körper im Laufe des bisherigen Lebens durch tägliche Zufuhr, nicht nur aus der Nahrung, angesammelt hat. Diese Menge nennt man auch Körperlast oder „Body-Burden“.

Nach aktuellen Hochrechnungen des BfR würde diese Körperlast auch bei jungen Menschen in einem so genannten Worst-Case-Szenario, das heißt z. B. bei einem täglichen Verzehr von zwei Eiern mit den neulich höchst gemessenen Dioxingehalten, nur unwesentlich steigen.
Für die derzeitige Körperlast eines Menschen geht das BfR von Werten im Bereich von etwa 10 Picogramm je Gramm Körperfett aus. Zur Einschätzung der Größenordnung: Eine Billion Picogramm sind ein Gramm.

Dem BfR zufolge hatten junge Erwachsene vor 20 Jahren noch eine Körperlast von 30 Picogramm Dioxin pro Gramm Körperfett. Gesundheitliche Beeinträchtigungen wurden in jener Generation nicht festgestellt.

Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) haben langjährige Messungen von Dioxinen und PCB in Luft, Wasser und Boden ergeben, dass bisherige Umweltschutzmaßnahmen erfolgreich waren und die allgemeine Umweltbelastung mit diesen Stoffen, die sogenannte Hintergrundlast, in Deutschland heute eher gering ist. Auch in Lebensmitteln ist die Dioxinbelastung gesunken. Am umfangreichsten wurde dabei die Milch untersucht. Zwischen 1987 und 2006 haben die gemessenen Dioxingehalte von 2,3 Picogramm auf 0,4 Picogramm Dioxinäquivalente je Gramm Milchfett abgenommen. Dies entspricht einer Reduzierung von ca. 80%.


Gesamtbelastung an Umweltgiften

Das BfR hat generell aber die Gesamtbelastung an Umweltgiften im Blick.
Im Januar 2011 veröffentlichte das BfR die Ergebnisse des Forschungsprojektes LExUKon. In diesem Projekt wurde im Zeitraum von Juli 2008 bis Dezember 2010 die aktuelle, lebensmittelbedingte Aufnahme von Blei, Cadmium, Quecksilber, Dioxinen, dioxinähnlichen und anderen polychlorierten Biphenylen (PCB) sowie Lösungsmitteln überprüft. Eine der Grundlagen waren dabei die Verzehrsdaten der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II).

Entsprechend der Kontamination unserer Lebensmittel in Kombination mit dem in Deutschland üblichen Verzehrsverhaltens sind es laut BfR in erster Linie die Gruppen Milchprodukte, Fleisch und Fisch, die bei uns zur Dioxin-Aufnahme führen.
Hochgradig belastete Lebensmittel werden weniger häufig verzehrt und spielen dadurch beim Durchschnittsverzehrer eine geringe Rolle.
Bei einzelnen Bevölkerungsgruppen und Vielverzehrern kann es jedoch dazu kommen, dass die täglichen Aufnahmemengen an Dioxinen und anderen Umweltgiften die toxikologischen Referenzwerte erreichen bzw. überschreiten.

Deshalb gilt auch aus diesem Grund die Empfehlung: Abwechslungsreich und vielfältig essen und trinken. Tierische Lebensmittel tragen eher zur Dioxonbelastung bei. Lebensmittel pflanzlicher Herkunft sind stärker mit Blei und Cadmium belastet als Lebensmittel tierischer Herkunft. Wer seine Ernährung vielseitig gestaltet, läuft weniger Gefahr, einzelne Schadstoffe im Übermaß aufzunehmen.



Literaturquellen:
Weitere Information:





Annette.Conrad@dlr.rlp.de     www.Ernaehrungsberatung.rlp.de drucken nach oben