Neue Lebensmittelkennzeichnung auf den Weg gebracht

Der Ministerrat der Europäischen Union hat am 29.09.2011 der Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) zugestimmt. So werden zukünftig innerhalb der EU-Mitgliedstaaten verbindliche und einheitliche Informationen auf allen Lebensmittelverpackungen zu finden sein. Mit der Verordnung soll sichergestellt werden, dass Verbraucherinnen und Verbraucher über die Lebensmittel, die sie verzehren, in geeigneter Weise informiert werden. Die neuen Kennzeichnungsvorschriften sollen es erleichtern, die richtige Auswahl zu treffen und sich ausgewogen zu ernähren. Das Lebensmittelinformationsrecht will die Verwendung irreführender Informationen verhindern.

Die wichtigsten Regelungen im Überblick:
  • Die Nährwertkennzeichnung wird Pflicht. Der Kaloriengehalt und sechs Nährstoffe (Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß, Salz) sind in einer übersichtlichen Tabelle anzugeben. Die Angaben müssen sich zukünftig auf Standardmengen von 100 Gramm oder 100 Milliliter beziehen, die Angabe „pro Portion“ ist zusätzlich möglich.
  • Alle verpflichtenden Informationen müssen gut lesbar sein und mindestens in 1,2 mm großer Schrift gedruckt werden.
  • Zum Schutz der Verbraucher vor Täuschung wurden für Lebensmittelimitate spezielle Kennzeichnungsvorschriften festgelegt. Bei der Verwendung von Lebensmittelimitaten wie z.B. Analogkäse muss der ersatzweise verwendete Stoff in unmittelbarer Nähe des Produktnamens angegeben werden. Die Verwendung von so genanntem "Klebefleisch" muss künftig mit dem Hinweis "aus Fleischstücken zusammengefügt" deutlich kenntlich gemacht werden.
  • Stoffe, die allergische Reaktionen hervorrufen können, müssen künftig in der Zutatenliste auf verpackten Lebensmitteln hervorgehoben werden (z.B. farblich unterlegt). Auch bei nicht verpackten Lebensmitteln, so genannter "loser Ware", wird die Kennzeichnung von Allergenen verpflichtend. Die Art und Weise der Kennzeichnung von Allergenen in unverpackten Lebensmitteln ist jedoch Sache der einzelnen Mitgliedsstaaten. Hierzu werden daher künftig noch nationale Vorschriften erlassen.
  • Auch für Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch wird, wie bisher schon bei Rindfleisch, die Herkunftsangabe verpflichtend.
  • Für Kinder, Schwangere und Stillende gibt es Warnhinweise auf bestimmten koffeinhaltigen Lebensmitteln, beispielsweise auf "Energy Drinks".
  • Bei gefrorenem Fleisch, Fleischerzeugnissen und unverarbeiteten Fischprodukten muss das Einfrierdatum angegeben werden.

Die Regelungen müssen spätestens drei Jahre nach Inkrafttreten angewendet werden, die Nährwertkennzeichnung wird nach fünf Jahren verbindlich. Die deutsche Lebensmittelwirtschaft will die neuen Regelungen zügig umsetzen. Schon heute tragen bereits mehr als 80 Prozent aller Produkte eine Nährwertkennzeichnung.

Verbraucherschützern gehen die neuen Regelungen noch nicht weit genug. Zum Beispiel können weiterhin auf der Packungsvorderseite „Fitness“ und „gesunde Zwischenmahlzeiten“ versprochen werden, während die Zucker- und Fettangaben auf der Rückseite im Kleingedruckten stehen. Ebenfalls wird kritisiert, dass die Herkunftsangabe bei Fleisch nicht für Fleischerzeugnisse gilt.


Weiterführende Informationen:





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