Essen und Trinken bei Diabetes Typ 2

Stand: 08/14/2018
Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt, gilt zu Recht als Volkskrankheit. In Deutschland sind laut Deutschem Gesundheitsbericht Diabetes 2018 knapp zehn Prozent der Menschen an Diabetes mellitus erkrankt – zuzüglich einer unbekannten Dunkelziffer. Rund 500.000 Neuerkrankungen kommen jedes Jahr dazu. Etwa 95 Prozent der Diabetiker sind am Typ 2 erkrankt. Früher wurde diese Form des Diabetes auch als Altersdiabetes bezeichnet, weil er in der Regel erst bei älteren Menschen auftrat. Zunehmend erkranken auch junge Menschen an Diabetes mellitus Typ 2. Adipositas stellt bei Kindern und Jugendlichen einen Risikofaktor dafür dar.
Diabetes mellitus Typ 2 tritt häufig zusammen mit Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht auf. Das gleichzeitige Auftreten dieser Symptome wird auch als Metabolisches Syndrom bezeichnet.

Neben den gesundheitlichen Problemen für den Einzelnen sind die Kosten für die Gemeinschaft enorm: 35 Milliarden Euro werden pro Jahr für die Behandlung der Krankheit und ihrer Komplikationen einschließlich der indirekten Kosten wie Folgen von Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung ausgegeben. Wichtig dabei zu wissen: Der Erkrankung kann durch vorbeugende Maßnahmen erfolgreich entgegen gewirkt werden. Hier spielt die richtige Ernährung in Verbindung mit ausreichender Bewegung eine entscheidende Rolle.


Formen des Diabetes mellitus

Leitsymptom des (unbehandelten) Diabetes mellitus ist die chronische Hyperglykämie, die Erhöhung des Blutzuckerspiegels.
Beim Gesunden wird der Blutzucker innerhalb bestimmter Grenzen relativ konstant gehalten: Steigt der Blutzuckerspiegel – nach dem Essen – an, so reagiert die Bauchspeicheldrüse und schüttet das Hormon Insulin aus, das für die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Zellen sorgt. Umgekehrt, wenn der Blutzuckerspiegel sinkt, bei Hunger oder bei körperlicher Aktivität, sorgen die Hormone Glukagon und Adrenalin dafür, dass Glukose aus den Speichern freigesetzt wird und der Blutzuckerspiegel wieder ansteigt.

Beim Diabetes mellitus ist die Glukoseregulation gestört.
Es gibt verschiedene Formen der Erkrankung:
  • Beim Diabetes mellitus Typ 1 bildet die Bauchspeicheldrüse kein Insulin (absoluter Insulinmangel). Betroffene müssen Insulin lebenslang medikamentös zuführen.
  • Beim Diabetes mellitus Typ 2 bildet die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin (relativer Insulinmangel) und/ oder die Insulinwirkung ist gestört (Insulinresistenz, das heißt: die Körperzellen reagieren schlechter auf Insulin). Im Vordergrund der Behandlung stehen Gewichtsreduktion (80 bis 90 Prozent der Betroffenen sind übergewichtig), eine günstige Lebensmittelauswahl und Bewegung. Lassen sich durch diese Maßnahmen innerhalb von drei bis sechs Monaten keine guten Blutglukosewerte erzielen, müssen Medikamente (orale Antidiabetika, Insulin) eingesetzt werden.
  • Ferner kann ein Diabetes mellitus Folge einer anderen Grunderkrankung sein oder bei Schwangerschaft (Gestationsdiabetes) auftreten.

Im Folgenden soll die Gestaltung von Lebensstilfaktoren im Hinblick auf Prävention und Behandlung eines Diabetes mellitus Typ 2 im Vordergrund stehen.

Die wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung dieses Diabetestyps sind die genetische Veranlagung, das Alter, Übergewicht und Adipositas, ungünstige Ernährungsgewohnheiten, mangelnde Bewegung und Stress. Veranlagung und Alter lassen sich nicht beeinflussen. Alle anderen Faktoren sind mehr oder weniger veränderbar – im positiven wie im negativen Sinn.


Gewichtsabnahme und Gewichtsnormalisierung

Schon ein mäßiges Übergewicht (Body Mass Index (BMI) ab 25 kg/m²) erhöht das Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken. Bei Adipositas (BMI ab 30 kg/m²) steigt das Diabetesrisiko um ein Vielfaches. Aber auch die Körperfettverteilung spielt eine Rolle. Vor allem viel Bauchfett kann zu Insulinresistenz und Diabetes führen. Ab einem Taillenumfang über 102 cm (Männer) bzw. 88 cm (Frauen) wird das Risiko als stark erhöht eingeschätzt. Umgekehrt verringert bereits eine Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Kilogramm bei Übergewichtigen deutlich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Wenn übergewichtige Diabetiker Typ 2 dauerhaft an Gewicht abnehmen, können die Insulinempfindlichkeit und Glukosetoleranz verbessert, oftmals Medikamente eingespart oder sogar ganz darauf verzichtet werden. Auch Blutfettwerte und Blutdruck werden günstig beeinflusst.

Diese Zusammenhänge fanden Eingang in die seit 2005 für Deutschland geltenden „Evidenzbasierten Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus“. Diese empfehlen, dass...
…übergewichtige Personen die Energieaufnahme reduzieren und den Energieverbrauch steigern sollen, um Normalgewicht zu erreichen (Zielbereich: BMI unter 25 kg/m²).
…nach erfolgreicher Gewichtsabnahme die Gewichtskonstanz das wesentliche Ziel ist.
…Personen, denen es nicht gelingt, Gewicht zu reduzieren, zu Maßnahmen motiviert werden sollen, die eine weitere Gewichtszunahme verhindern.

Normalgewicht anstreben oder zumindest nicht weiter an Gewicht zunehmen ist somit das vorrangige Ziel bei Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 2.


Lebensmittelauswahl bei Diabetes Typ 2

Hinsichtlich der Verteilung der Hauptnährstoffe empfiehlt die oben genannte Leitlinie zur Ernährung bei Diabetes mellitus, die Fettzufuhr auf 35 Prozent bzw. zur Gewichtsreduktion auf 30 Prozent der Gesamtenergiezufuhr zu begrenzen. Bei normaler Nierenfunktion kann die Proteinzufuhr zwischen zehn und 20 Prozent liegen, so dass eine Kohlenhydratzufuhr zwischen 45 und 60 Prozent resultiert.

Eine solche eher fettarme und kohlenhydratbetonte Ernährungsweise kann erwiesenermaßen die Gewichtsregulation unterstützen.
Ernährungsexperten sehen inzwischen aber auch Vorteile einer moderaten kohlenhydratarmen Ernährungsform (Low Carb).
Es wird zwischen folgenden Low Carb-Formen unterschieden: moderate Low Carb Ernährung mit 26 bis 45 Prozent, Low Carb mit zehn bis 25 Prozent und Very Low Carb mit weniger als zehn Prozent der Energie in Form von Kohlenhydraten.
Vor allem zu Beginn bringt eine moderate Low Carb Ernährung meist größere Gewichtsabnahmen als kohlenhydratbetonte Ernährungsformen, im Laufe der Zeit gleichen sich diese Unterschiede meist aus. Die Ernährungsumstellung scheint den Betroffenen unter Low Carb allerdings tendenziell einfacher zu fallen. Langzeitstudien für Low Carb fehlen bislang.

Aber egal, ob nun eher eine kohlenhydratbetonte oder eine moderat kohlenhydratarme Ernährungsform gewählt wird, entscheidend ist immer auch die Lebensmittelauswahl. Eine mediterran orientierte, pflanzenbetonte Ernährungsweise scheint Diabetikern den größten Nutzen zu bieten.

Lebensmittel, die von Natur aus einen hohen Anteil an Stärke und Ballaststoffen haben, verzögern den Blutzuckeranstieg nach dem Essen und verbessern die Blutfettwerte. Außerdem sättigen sie gut. Deshalb gilt für Diabetiker Typ 2:
  • Bevorzugt Produkte aus Vollkorn essen wie Vollkornbrot, Haferflocken oder Vollkornnudeln.
  • Pellkartoffeln sind gleichfalls empfehlenswert.
  • Regelmäßig Gerichte mit Hülsenfrüchten (Linsen, Bohnen, Erbsen) in den Speiseplan einbauen wie Suppen, Gemüsebeilagen, Salate, Bratlinge oder Linsenbolognese.
Wer Vollkornbrot aus grobem Schrot schlecht verträgt, sollte probieren, ob Brot aus fein gemahlenem Vollkornmehl bekömmlicher ist.
Auch kann man sich angewöhnen, immer eine Portion Rohkost oder Salat zum Brot zu essen. Das schmeckt erfrischend und trägt gleichzeitig zur Versorgung mit Ballaststoffen und verschiedenen Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen bei. Je nach Jahreszeit eignen sich beispielsweise gut Tomaten, Gurken, Radieschen, Rettich, Kohlrabi, Möhren, Staudensellerie und diverse Blattsalate. Das ist auch ein Schritt in Richtung der Empfehlung:

5 am Tag – drei Portionen Gemüse und Salat sowie zwei Portionen Obst!
Diese Empfehlung gilt für Diabetiker wie für Stoffwechselgesunde. Vor allem Gemüse und Salat sind kalorienarm, sättigen gut und tragen zur Versorgung mit Ballaststoffen, Kalium, Magnesium, Eisen, B-Vitaminen, Vitamin C sowie sekundären Pflanzenstoffen bei.
Das Gemüse sollte zum Teil als Rohkost, zum Teil gegart verzehrt werden. Als Garmethode empfiehlt sich Dünsten oder Dämpfen. Auf kalorienreiche Sahnesoßen, Mehlschwitzen und ähnliches sollte verzichtet werden. Salatmarinaden sollten mit Rapsöl oder Olivenöl zubereitet werden. Diese Öle enthalten reichlich einfach ungesättigte Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel günstig beeinflussen.
Obst ist ideal als Nachtisch oder als Zwischenmahlzeit. Günstig sind Zubereitungen mit Milchprodukten wie Obstquark, Fruchtjoghurt oder Müsli mit Obst und Milch, denn in dieser „Verpackung“ steigt der Blutzuckerspiegel nur verhalten an.

Eine Portion (20 bis 30 Gramm) Nüsse, Kerne und Saaten täglich trägt nicht nur zur Versorgung mit B-Vitaminen, verschiedenen Mineralstoffen und ungesättigten Fettsäuren bei, sondern besitzt auch einen guten Sättigungseffekt und wirkt günstig auf Blutzuckerspiegel und Blutfettwerte. Außerdem bringen sie Abwechslung in die Küche: Ungesalzene Nussmischungen eignen sich als Snack am Arbeitsplatz, Walnüsse, Haselnüsse, Kürbiskerne & Co. geben als Topping den besonderen Pfiff an Salate, Suppen oder Müsli und eignen sich auch gut als kreative Zutat zu Aufläufen, Soßen oder Desserts.

Milch, Milchprodukte, Fleisch und Fleischerzeugnisse enthalten hochwertiges Eiweiß und B-Vitamine. Darüber hinaus ist Milch wichtig für die Kalziumversorgung und Fleisch eine gute Quelle für Eisen, Zink, Kupfer und Selen. Drei Portionen Milchprodukte bzw. Käse am Tag und bis zu zwei bis vier Portionen Fleisch und Wurst in der Woche werden empfohlen. Wegen des relativ hohen Gehalts an gesättigten Fettsäuren sollten eher die fettarmen Varianten gewählt werden.

Fettreicher Fisch wie Hering oder Lachs ist eine hervorragende Quelle für Omega-3-Fettsäuren und sollte mindestens einmal in der Woche gegessen werden. Omega-3-Fettsäuren wirken günstig auf die Triglyceride, sind entzündungshemmend und verbessern die Fließeigenschaften des Blutes.

Wasser, Mineralwasser und ungesüßter Tee sind optimale Getränke und können ohne Bedenken getrunken werden. Mindestens 1,5 Liter, besser zwei Liter kalorienfreie und kalorienarme Getränke sollten täglich getrunken werden.
Vorsicht ist bei zuckerhaltigen Getränken geboten, diese können den Blutzucker rasch erhöhen. Dazu gehören Fruchtsäfte, Nektare und Fruchtsaftgetränke, Cola- und Limonadengetränke, Malzbier, aber auch Liköre oder alkoholfreie Biere. Alkoholische Getränke sollten nur in Maßen und wenn, dann am besten zu einer Mahlzeit getrunken werden: bis zu 0,1 l Wein oder 0,25 l Bier am Tag (Frauen) bzw. bis zu 0,2 l Wein oder 0,5 l Bier am Tag (Männer).

Naschen ist erlaubt, aber in Maßen. Höchstens zehn Prozent der Kalorien sollten in Form von Zucker verzehrt werden – möglichst nicht auf einmal und am besten in Verbindung mit einer Mahlzeit, zum Beispiel als Dessert.
Zehn Prozent der Kalorien sind bei 2000 kcal am Tag bis zu 50 Gramm Zucker oder bei 1500 kcal am Tag 37 Gramm Zucker. Um sich diese Mengen besser vorstellen zu können hier ein Beispiel: Wer zwei Esslöffel Konfitüre (gestrichen) und 30 Gramm Gummibärchen (etwa 15 Stück) am Tag isst, hat 50 Gramm Zucker aufgenommen.


Bewegung - täglich

Körperliche Aktivität hat viele positive Effekte. Das Herz-Kreislaufsystem wird aktiviert, die Gewichtsabnahme unterstützt, die Blutfettwerte und der Blutdruck werden positiv beeinflusst und - ganz wichtig - die Wirksamkeit des Insulins und die Blutzuckerwerte werden nachhaltig verbessert. Regelmäßige Bewegung trägt auch zum Wohlbefinden bei.

Ziel sollte es sein, jeden Tag mindestens 15 Minuten am Stück körperlich aktiv zu sein. Hier bieten sich Gelegenheiten im ganz normalen Alltag ebenso an wie diverse sportliche Aktivitäten, angepasst an die individuelle Fitness und Vorlieben: zu Fuß mit flottem Schritt Einkaufen gehen, Treppensteigen, zügig Spazierengehen, Walken, Nordic Walking, Aquajogging, Schwimmen, Radfahren, Tanzen, u. v. m.. Günstig ist auch die Kombination von Ausdauertraining und Krafttraining.


Fazit

Ein Diabetes mellitus Typ 2 entwickelt sich über Jahre. Dem kann durch eine mediterran orientierte Lebensmittelauswahl wie oben beschrieben entgegengewirkt werden. Eine gute Orientierung für die Umsetzung im Ernährungsalltag bieten der Ernährungskreis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bzw. die Ernährungspyramide des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE). Eine solche Ernährung erfüllt gleichermaßen präventive wie therapeutische Anforderungen.
Für den Diabetiker ist es zudem besonders wichtig, das Körpergewicht im Normbereich zu halten und täglich „in Bewegung“ zu sein.

Mittels eines Diabetes-Risiko-Test können Interessierte das persönliche Diabetes mellitus Typ 2-Risiko abschätzen. Informationen hier (im Internet unter www.dife.de, Zugriff 14.08.2018)


Quellen und weiterführende Informationen





irmgard.luetticken@dlr.rlp.de     www.Ernaehrungsberatung.rlp.de drucken nach oben