1997 / 01 - Pflanzung von Jungbäumen im Streuobstanbau

Hinweise zur Pflanzung und Pflege von Jungbäumen im Streuobstanbau

Einleitung
Manche neu angelegte Streuobstwiese endet sehr rasch mit dem Absterben der Bäume. Finanzielle Investitionen und zeitlicher Aufwand waren dann vergeblich. Das muß nicht so sein, wenn ein paar einfache pflanzenbauliche Prinzipien bei Pflanzung und Aufwuchspflege beachtet werden. Sie sichern das Anwachsen der Bäume und den Anfang eines in unserer Kulturlandschaft bedeutenden Lebensraumes.

Pflanztermin
Baumpflanzungen sollten generell in der kühleren Jahreszeit (November bis März) vorgenommen werden. Herbstpflanzungen führen zu besseren Anwachsergebnissen als Frühjahrspflanzungen, da bei Temperaturen oberhelb des Gefrierpunktes auch im Winter Wurzelwachstum stattfindet. Ebenso gewährleistet eine frühe Pflanzung einen besseren Bodenschluß um den Wurzelkörper. Solange der Boden nicht gefroren ist und keine Staunässe herrscht, kann im Verlauf des gesamten Winters gepflanzt werden. Viele Baumausfälle sind auf eine zu späte Pflanzung im Frühjahr mit anschließenden vorsommerlichen Temperaturen (Trockenheit) zurückzuführen.

Qualität der Pflanzware
Bereits bei der Auswahl des Pflanzgutes wird der Grundstein für die spätere Entwicklung zu einem gesunden und wüchsigen Baum gelegt. Auf die Auswahl der Jungbäume ist daher ein besonderes Augenmerk zu richten. Der Stamm des Jungbaumes darf keine größeren Rindenverletzungen haben und sollte einen geraden Wuchs zeigen. Der Wurzelkörper sollte gut verzweigt und mit zahlreichen feinen Saugwurzeln besetzt sein.

Transport und Lagerung
Bei Transport und kurzfristiger Lagerung dürfen vor allem die Wurzeln niemals austrocknen. Durch Abdecken werden sie vor Sonne und Wind geschützt. Eine sichere Zwischenlagerung von Gehölzen kann nur durch Einschlagen erfolgen, wobei alle Wurzelteile von feuchter Erde umgeben sein müssen. Gebündeltes Pflanzgut muß einzeln oder schichtweise eingeschlegen werden.

Pflanzvorbereitung
Frisch gepflanzte Bäume erreichen ihr optimales Wachstum nur in einem gut durchlüftetem Boden. Pflugsohlen und andere Bodenverdichtungen müssen daher vor der Pflanzung aufgebrochen werden. Dies kann bei Reihenpflanzung und bei trockenem Boden maschinell mit einem Untergrundlockerer erfolgen. Bei Einzelbaumpflanzung muß eine Pflanzgrube ausgehoben werden, die um ein Vielfaches größer als der Wurzelkörper des zu pflanzenden Baumes sein sollte.

Pflanzschnitt
Da bei der Rodung der Jungbäume in der Baumschule der Wurzelkörper teilweise beschädigt wird, müssen durch den Pflanzschnitt auch die oberirdischen Teile des Baumes zurückgenommen werden. Nach dem Pflanzen wird der Konkurrenztrieb entfernt, die Seitenäste auf einer Ebene (Saftwaage) angeschnitten und der Leittrieb je nach Wuchscharakter der Sorte mehr oder weniger stark eingekürzt, bleibe aber deutlich länger als die Seitenäste. Ein starker Schnitt regt das Wachstum der Bäume an, so daß auch schlechtere Baumqualitäten wieder kräftiges Wachstum zeigen. Beim Pflanzschnitt sind schließlich die beschädigten Wurzeln anzuschneiden.

Pflanzung
Nach Aushub einer ausreichend großen Pflanzgrube wird zunächst ein Pfahl ca 50 cm tief in den Boden eingeschlagen. Der Pflanzpfahl, der dem Jungbaum festen Halt geben soll, sollte auf der Seite der Hauptwindrichtung - in der Regel also auf der Westseite - des Baumes stehen, um Scheuerstellen zu vermeiden. Mit einer achtförmigen Schlinge aus Kokos- oder Sisalfaser wird der Baum am Pfahl festgebunden.

Bei der Pflanzung wird der Erdaushub unter ständigem Rütteln des Baumes beigefüllt, damit keine Hohlräume entstehen. Die Veredlungsstelle des Baumes muß sich bei abgeschlossener Pflanzung handbreit über der Erdoberfläche befinden. Zum Schutz vor Wühlmäusen hat sich die Pflanzung in einen etwa 60 cm breiten und 30 cm tiefen Korb aus kleinmaschigem Sechseck-Drahtgeflecht (keine Plastikummantelung) bewährt.

Nach erfolgter Pflanzung tritt man die Erde um den Stamm herum zur Verbesserung des Bodenschlusses leicht an. Das Einschlämmen der Erde während der Pflanzung wird nicht empfohlen. Es führt - vor allem in Verbindung mit einem Antreten der Erde - zu einem "Einbetonieren" der Bäume und verhindert ein gesundes Wurzelwachstum.

Baumscheibe
Sinnvoll ist es, das Erdreich der Baumscheibe als Mulde mit Gießrand auszuformen. Damit wird Niederschlagswasser aufgefangen und das Wässern der Bäume bei Trockenheit erleichtert. Übermäßiges Wässern schadet und führt zu Wurzelfäulnis. Zur Gewährleistung einer möglichst gleichbleibenden Bodenfeuchte und einer niedrig dosierten Nährstoffzufuhr hat sich das Abdecken der Pflanzscheiben mit einer 5 bis 10 cm starken Schicht aus Kompost oder verottetem Stallmist bewährt.

Zum Schutz gegen Wildverbiß muß um den Stamm eine 180 cm hohe Drahthose oder eine Wildschutzspirale angebracht werden. Auf Viehweiden ist ein stabiles Verbißschutzgerüst aus Holz erfordrlich. Sowohl bei dem Verbißschutzgerüst wie auch bei dem Pflanzpfahl sollte auf eine umweltfreundliche Imprägnierung geachtet werden.

Weitere Pflege der Jungbäume
Frisch gepflanzte Jungbäume sind besonders empfindlich für ungünstige Standortbedingungen. In den ersten Standjahren sind daher die Pflanzscheiben zur Ausschaltung jeglicher Wasser- und Nährstoffkonkurrenz von Gräsern und Kräutern durch oberflächliches Bearbeiten oder Mulchen freizuhalten. Ein Großteil der Baumausfälle ist auf die Nichtbeachtung dieses Gesichtspunktes zurückzuführen.












Download: GrBl1997_01.pdf



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